Pubertät beim Hund: Anzeichen, Dauer & was jetzt wichtig ist

Vielleicht kennst du diesen Moment. Du hast die ersten Monate mit deinem Welpen hinter dir, ihr habt euch langsam kennengelernt, erste Regeln sind selbstverständlich geworden. Der Rückruf funktioniert immer besser, dein Hund orientiert sich an dir, wartet vielleicht schon geduldig vor der Tür oder an der Straße und auch draußen fühlt sich vieles nicht mehr so anstrengend an wie ganz am Anfang und du hast zum ersten Mal das Gefühl, dass aus diesem kleinen chaotischen Wesen tatsächlich einmal ein ziemlich entspannter Hund werden könnte.
Und dann verändert sich etwas. Nicht unbedingt von heute auf morgen und schon gar nicht alles gleichzeitig. Vielleicht bemerkst du zuerst nur, dass der Rückruf ein bisschen länger dauert. Dein Hund schaut dich an, überlegt kurz und entscheidet sich dann trotzdem für den Geruch am nächsten Busch. Vielleicht werden andere Hunde plötzlich viel interessanter als noch vor wenigen Wochen. Vielleicht beginnt er bei Dingen zu bellen, die ihm bisher vollkommen egal waren, wirkt draußen schneller aufgeregt, kann schlechter warten oder reagiert auf Frust plötzlich so, als wäre gerade die Welt untergegangen.
Und irgendwann stellst du dir wahrscheinlich genau die Frage, die sich fast jeder Hundehalter in dieser Phase irgendwann stellt: Was ist mit meinem Hund passiert?
Es ist alles ok, dein Hund ist jetzt in der Pubertät.
Pubertät beim Hund: Anzeichen, Dauer & was jetzt wichtig ist
Wenn wir an Pubertät denken, denken wir meistens zuerst an Hormone. An Sexualverhalten, die erste Läufigkeit, vermehrtes Markieren und vielleicht noch an dieses klassische Bild vom rebellischen Teenager, der plötzlich keine Regeln mehr akzeptiert. Hierbei spielen Hormone natürlich eine wichtige Rolle. Aber die Pubertät beim Hund ist wesentlich komplexer als ein bisschen hormonelles Chaos.
Denn während dieser Zeit verändert sich nicht nur der Körper deines Hundes. Auch sein Gehirn befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbauprozess. Die Verarbeitung von Reizen verändert sich, Gefühle bekommen teilweise eine völlig neue Intensität und gleichzeitig sind jene Fähigkeiten, die es braucht, um mit all diesen Eindrücken ruhig und überlegt umzugehen, noch längst nicht vollständig ausgereift. Genau das macht diese Phase so widersprüchlich: Dein Hund ist kein Welpe mehr, aber eben auch noch kein emotional stabiler erwachsener Hund.
Stell dir das ein bisschen wie einen Jugendlichen vor. Er weiß grundsätzlich, dass die Prüfung nächste Woche wichtig ist, dass seine Eltern nicht grundsätzlich gegen ihn arbeiten und dass es vermutlich keine Katastrophe ist, wenn er heute Abend nicht auf diese eine Party gehen darf. Und trotzdem fühlt es sich in diesem Moment für ihn vielleicht genau so an. Gefühle sind stark aber die Fähigkeit, sie einzuordnen, hinkt hinterher und aus einer objektiv kleinen Sache wird innerhalb weniger Sekunden eine sehr große.
Bei unseren Hunden ist das natürlich nicht exakt dasselbe, aber das Grundprinzip hilft dabei, ihr Verhalten besser zu verstehen. Der Hund kann fühlen, was er noch nicht zuverlässig regulieren kann. Stress, Aufregung, Unsicherheit, Frustration oder Angst sind real, aber die Werkzeuge, um mit diesen Gefühlen umzugehen, sind noch nicht vollständig entwickelt. Gleichzeitig werden Dinge, die gestern noch völlig belanglos waren, plötzlich anders bewertet. Ein Radfahrer. Ein fremder Hund. Ein Kind, das rennt. Ein Geräusch. Ein bestimmter Geruch. All das kann plötzlich viel extremer wirken als noch einige Wochen zuvor.
Und genau deshalb fühlt sich die Pubertät für viele Menschen an, als wäre der eigene Hund plötzlich kaputt. Ist er aber nicht.
Dein Hund hat nicht plötzlich alles vergessen
Es ist wichtig das zu verstehen. Denn wenn dein Hund ein Signal gestern noch zuverlässig ausgeführt hat und heute scheinbar entscheidet, dass es ihn überhaupt nicht mehr interessiert, liegt die Schlussfolgerung nahe: Er weiß genau, was ich von ihm will. Er macht es einfach nicht. Und damit beginnt schnell ein ziemlich ungünstiger Kreislauf.
Wir wiederholen das Kommando. Dann nochmal. Vielleicht etwas lauter. Irgendwann werden wir genervt, der Hund wird ebenfalls aufgeregter und plötzlich entsteht aus einer Situation, die eigentlich lediglich schwierig für ihn war, ein Konflikt zwischen Mensch und Hund. Dabei ist das eigentliche Problem häufig ein anderes.
Gelerntes ist nicht automatisch verschwunden, nur weil es gerade schlechter abrufbar ist. Aber zwischen „Mein Hund kennt dieses Signal“ und „Mein Hund kann dieses Signal auch unter hoher Erregung, Ablenkung oder emotionalem Stress zuverlässig umsetzen“ liegt ein ziemlich großer Unterschied. Und genau diesen Unterschied macht die Pubertät häufig gnadenlos sichtbar.
Vielleicht konnte dein Welpe wunderbar warten, solange nichts Spannendes passiert ist. Vielleicht funktionierte der Rückruf zuverlässig, solange der Geruch am Boden nicht interessanter war als du. Vielleicht war dein Hund freundlich und entspannt mit anderen Hunden, solange Sozialkontakte noch eine ganz andere Bedeutung hatten.
In der Pubertät ändern sich die Voraussetzungen. Und dadurch zeigt sich plötzlich, welche Fähigkeiten tatsächlich stabil sind und welche bisher hauptsächlich deshalb funktioniert haben, weil die Situation noch einfach war.
Genau das beschreibt die Pubertät so gut: Sie bringt nicht zwangsläufig aus dem Nichts völlig neue Probleme hervor. Sie macht sichtbar, wo eine Basis bereits stabil ist und wo sie noch nicht stark genug ist.
Das kann unangenehm sein. Vor allem dann, wenn man gerade dachte, man hätte die schwierige Zeit hinter sich. Aber es ist gleichzeitig eine enorme Chance.
„Der ist halt in der Pubertät“ ist keine Lösung
Natürlich darf man Verständnis dafür haben, dass ein pubertierender Hund nicht jeden Tag gleich funktioniert. Entwicklung verläuft nicht linear und es wird Phasen geben, in denen Dinge plötzlich wieder schwieriger werden, obwohl sie längst gelernt schienen.
Problematisch wird dieser Satz aber dann, wenn aus Verständnis Passivität wird.
Denn ja, die Pubertät geht vorbei. Wie lange sie dauert, lässt sich dabei nicht pauschal sagen: Bei manchen Hunden wird es mit etwa 18 Monaten deutlich ruhiger, andere brauchen zwei Jahre oder länger, bis sie emotional wirklich angekommen sind. Entscheidend ist aber nicht nur, wann diese Entwicklungsphase endet, sondern auch, was dein Hund währenddessen lernt und welche Verhaltensweisen sich in dieser Zeit festigen. Denn Verhalten verschwindet nicht automatisch nur deshalb, weil dein Hund älter wird. Im Gegenteil:
Verhaltensweisen, die sich über Wochen oder Monate immer wieder wiederholen und dabei nicht sinnvoll begleitet werden, können sich festigen. Was anfangs vielleicht noch wie eine vorübergehende pubertäre Phase wirkt, kann dadurch irgendwann zu einem echten Alltagsproblem werden.
Und je länger sich ein bestimmtes Verhalten etabliert, desto aufwendiger ist es meist, später wieder neue Strategien aufzubauen.
Genau deshalb lohnt es sich, jetzt genauer hinzuschauen. Nicht um deinen Hund noch stärker zu kontrollieren oder ihn möglichst schnell wieder zum „Funktionieren“ zu bringen, sondern um zu verstehen, warum dieses Verhalten gerade entsteht und wie du ihn so begleiten kannst, dass daraus nicht etwas wird, das euch noch lange nach der Pubertät beschäftigt.
Dein Hund steckt mitten in der Pubertät? Dann begleite ihn nicht nur irgendwie hindurch.
In unserem eBook „Pubertät beim Hund“ beschäftigen wir uns ausführlich damit, was während dieser Entwicklungsphase im Körper und Gehirn deines Hundes passiert und vor allem damit, was das ganz konkret für euren Alltag bedeutet.
Denn zwischen dem Wissen „Mein Hund ist gerade in der Pubertät“ und dem Wissen „Ich verstehe, warum er sich so verhält und weiß, wie ich ihn jetzt unterstützen kann“ liegt ein ziemlich großer Unterschied.
Wir zeigen dir, wie du typische Herausforderungen dieser Phase einordnest, worauf es jetzt wirklich ankommt und wie du deinem Hund auch dann Orientierung und Sicherheit geben kannst, wenn sich sein Verhalten plötzlich völlig verändert.
Mit Hintergrundwissen, konkreten Alltagssituationen, Routinen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen, damit du nicht nur weißt, dass dein Hund in der Pubertät ist, sondern auch verstehst, was hinter seinem Verhalten steckt und wie du ihn jetzt sinnvoll begleiten kannst.






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